Donnerstag, 12. Januar 2012

Klerus und Schach


So, jetzt ist es passiert. Jetzt ist es endgültig so weit, ich kann nichts dafür. Was jetzt kommt, hat der Herr Alipius allein zu verantworten. Warum muss er auch in leichtfertiger Weise  mit seinen bezaubernden, opulent-verspielten Rokoko-Genre-Gemälden meine alte, unselige, nur scheinbar schlummernde, in Wahrheit gänzlich zügellose Schach-Leidenschaft regelrecht reanimieren?   Schachspielende Kardinäle hat er präsentiert, Prälaten, Bischöfe, Äbte, Domherren, Ministranten, wenn nicht  gar  etliche Chorherren, und deren wohl  nicht wenige - ei, ei !  - mit liebreizenden Hofdamen in gar anmuthigen Partien vertiefet !  Herrlich!
Und köstlich, wie auf obigem (beim Herunterladen leider etwas verstümmeltem) Bild sowohl am wie auf dem Brett sich nicht Schwarz und Weiß, sondern Rot und Weiß gegenüberstehen bzw. -sitzen, und zwar in wechselnden Farben!   

Also  -  jetzt kann ich nicht mehr anders, jetzt muss ich das hier bringen, (vielleicht wird sogar eine kleine Serie daraus ?).
Immerhin befinde ich mich mit meiner Passion in allerbester, höchst eminenter, kirchenfürstlicher,  ja sogar päpstlicher Gesellschaft!

Voilà, die Ouvertüre:   Papst Leo XIII. gegen Fürst Bismarck.


Natürlich haben wir hier "nur" eine allegorische Karikatur aus dem Kladderadatsch vor uns, zum Thema  "preußisch-deutscher Kulturkampf"  (wobei es sich möglicherweise auch  um Pius IX. handeln könnte). Man beachte die Schachfiguren des Papstes: Encyclica, Syllabus, Interdict, wogegen  der Reichskanzler seine Dame Germania und das Klostergesetz ins Feld führt.


Weniger bekannt dürfte sein, dass der vielseitig hochgebildete Leo XIII. auch im wirklichen Leben ein großer Schachliebhaber, dazu noch ein recht spielstarker, gewesen ist, wie folgendes Partie-Finale beweist:

Schwarz am Zug



Mal sehen, vielleicht findet sich ja unter den Besuchern meines Blogs der eine oder andere Schachfreund, der, wie ich, seine Freude daran hat, die furiose Attacke (mit Turm-Opfer)  zu entdecken, mit der Gioachino Conte Pecci, der zukünftige Papst Leo XIII., die Stellung des weißen Königs erstürmte, um seinen Gegner mit den nächsten fünf Zügen aufs Kreuz zu legen.


Papst Leo XIII.



 






3 Kommentare:

  1. Papst Leo ist einer meiner "Lieblingspäpste" und Schach eines meiner Lieblingsspiele - wie könnte ich da widerstehen?

    Ich vermute, nach kurzem Überblick über die Stellung:
    1.... Tg7xg2+
    Wenn Weiß den Turm schlägt, folgt Matt in höchstens vier Zügen. (2. Kxg2 Dg6+, und bestenfalls für Weiß 3. Kh1 Ld5+ 4. f3 Lxf3+ 5. Txf3 Dg1 Matt.)
    Wenn weiß das Turmopfer ablehnt, wird es etwas schwieriger. Das geht auch Matt, aber ich sehe im Moment kein fünfzügiges. Schwarz muss immer Schach geben oder Matt drohen, sonst kann weiß mit Dxa8+ genug Zeit gewinnen, um das Matt über die vorgegebene Länge von fünf Zügen hinauszuschieben. Im Moment habe ich leider keine Zeit, mir die Stellung genauer anzuschauen, so dass es von mir keinen "Variantenbaum" gibt und auch kein fünfzügiges Matt im Fall der Ablehnung des Opfers.

    Bestimmt habe ich irgendetwas ziemlich Triviales übersehen, wie eigentlich immer, wenn ich Schach spiele oder Schachprobleme löse...

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  2. Lieber Catocon,
    hätte nicht vermutet, so rasch und in so naher Nachbarschaft einen Schachfreund zu finden - freut mich umso mehr! Für mich der beste Grund, die geplante Serie umzusetzen. Ich habe da noch ein paar Leckerbissen in petto, natürlich nicht immer mit Partiestellungen, Studien und dgl., die sind ja auch eigentlich nicht Sinn der Sache.
    Die Kombination von Papst Leo, mit Ablehnung des Opfers, muss ich selbst nochmals durchanalysieren! :-)
    Hast Du Dir schon die Bilderreihe bei Alipius angeschaut? Köstlich!
    Salve!

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