Eine breite, angeregte und vielfältige Debatte hat in der vergangenen Woche (nicht nur) die Blogözese beschäftigt. Tagesordnungspunkt: Was haben wir zu halten von und wie haben wir uns zu verhalten zu der Art und Weise, wie ein gewisses Schundblatt, das sich "Satire-Magazin" nennt, unseren Heiligen Vater durch den Dreck zu ziehen beliebt und sich dazu auch noch auf die Freiheit der Kunst beruft?
Dass der Verursacher jedes beliebigen prä- oder postpubertalen Fäkal-Geschmieres letzteres ohne weiteres tun kann, sagt sehr viel aus über den kulturellen Zustand unserer Gesellschaft, für die ein absaufender Luxusdampfer immerhin doch ein treffendes Bild abgibt.
Hier möchte ich ein wenig zur Klärung der Begriffe beizutragen versuchen.
Und zwar mit Berufung auf keinen Geringeren als Kurt Tucholsky!
Dieser hatte zwar die Frage "Was darf die Satire?" mit "Alles!" beantwortet, aber nicht ohne, unter anderem, folgendes anzumerken:
Satire ist eine durchaus positive Sache. Nirgends verrät sich der Charakterlose schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den. Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist; er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.
Man merke: Der wahre Satiriker verfolgt erstens ein positives, konstruktives Ziel, und zweitens riskiert er dabei, durch die Wahl seiner Methoden und Ziele sich selbst als charakter- und gewissenlos zu disqualifizieren.
Fazit: Folgt man Tucholsky, so hat das umstrittene Titelblatt mit der Verhöhnung des Papstes mit Satire so gut wie nichts und erst recht nichts mit Humor zu tun, dafür umso mehr mit: Zynismus!
Diesen definiert Das Große Fischer-Lexikon wie folgt:
... ursprünglich die Lehre der griechischen Philosophenschule der Kyniker; heute die absichtliche Missachtung und höhnische Herabsetzung geltender Wertvorstellungen.
Bleibt zu ergänzen, was der Theologe Richard Schröder vor Jahren in einem Spiegel-Interview gesagt hat:
Zynismus ist parasitär. Er lebt davon, dass andere ernst nehmen, was er verhöhnt.