Freitag, 6. April 2018

"Wenn einer wachen muss, ..."


 ... lass mich's denn sein.
Ich sehe in das Leid der Welt hinein
und in die Dunkelheit, die kommen will,
indessen lächelnd du den Kopf und still
an meine Schulter lehnst und nickst und ruhst
und ruhend deine Hand in meine tust.

Johannes-Minne
 
Ich denke an das Irrsal und den Harm.
Gedanken denk ich, die du nie gedacht.
Du aber liegst getrost in meinem Arm
und atmest tief in meiner Hut und Wacht.

Schön ist dein Traum, dein Lächeln ist so schön,
dein Atmen auch, dein leises Schlafgestöhn
und des Erwachens holder Augenblick,
schön ist des Lebens heimliche Musik.

Doch immer muss, sonst könnte nichts bestehn,
immer muss einer in das Leid hinein
und in das rätselhafte Dunkel sehn.
Einer muss wachen, so lass mich's denn sein.

Manfred Hausmann: "Nachtwache"

*  *  *  *  *


Die wundervolle Skulptur "Johannesminne" (um 1310)* gehört zu den kostbarsten Schätzen des ehemaligen Zisterzienserinnen-Klosters Heiligkreuztal in Oberschwaben*.

  
Das im frühen 13. Jahrhundert gegründete Frauenkloster war anno 1804 aufgehoben und vom Kurfürstentum Württemberg konfisziert worden.  Nach weiteren anderthalb Jahrhunderten befand es sich in einem überaus beklagenswerten, verwahrlosten Zustand, bevor die Stefanus-Gemeinschaft* die Anlage aufkaufte, vor weiterem Verfall rettete und zu einem Bildungs- und Tagungshaus ausbaute.

Gemeinsam mit einer Gruppe gleichgesinnter Bundeswehr-Kameraden, unter der Leitung unseres verehrten Militärpfarrers, und zahlreichen weiteren freiwilligen Helfern durfte auch ich selbst damals, vor rund vier Jahrzehnten, in etlichen unentgeltlichen Wochenend-Arbeitseinsätzen zur Bewahrung und zum Wiederaufbau dieser geistlichen Stätte einen bescheidenen Beitrag leisten.
Deo gratias.



* Nähere  Informationen zum Kloster Heiligkreuztal und zur Stefanus-Gemeinschaft e.V.  findet man HIER.
    Zum künstlerischen Motiv der "Johannesminne" siehe HIER


 

Kommentare:

  1. Was es doch für Schätze gibt ! Was für ein Gedicht! Und das von einem, der kaum noch ein Gerücht!
    Der Brettenbacher sitzt schamübergossen, nimmt er doch seit Jahren eben in diesem Heiligkreuztal am jeweiligen Palsonntagwochenende am Symposion der Friedrich Georg und Ernst Jünger Gesellschaft teil, einschließlich einer Besinnungsweile im Gotteshaus. Aber, womit er nun konfrontiert, mit Schuppen vor den Augen. Die sind nun gefallen.
    Danke!

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  2. Immer wieder schön, die Johannesminne aus Heiligkreuztal. Vor zwei Jahren habe ich sie zuletzt im Original bewundert. Danke auch für den schönen Text aus der "Nachtwache".

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