Montag, 9. November 2015

Wo steht der Feind ?

Neunter November, mal wieder:  Anlass genug zur Besinnung auf die deutsche Geschichte der letzten hundert Jahre.  1918 -  1923  -  1938  -  1989  -  und alles, was so dazwischen liegt.


Am 24.6.1922 wird, ebenso wie andere führende Politiker der jungen Republik, der Außenminister des Deutschen Reiches Walther Rathenau (DDP), hochgebildet, mit jüdischen Wurzeln, von rechten Extremisten ermordet.
Anlässlich der Trauerfeier im Reichstag sagt der Reichskanzler Joseph Wirth (Zentrum), der selbst vier Monate später einem ähnlichen Attentat knapp entgehen sollte,  in seiner Rede  u.a.:
... Wir wollen Demut und Geduld in einem Weg der Freiheit für das eigene unglückliche Vaterland suchen. In diesem Sinne, meine Damen und Herren,  Mitarbeit !  Und in diesem Sinne sollen alle Hände und jeder Mund sich regen, um endlich in Deutschland diese Atmosphäre des Mordes, des Zornes, der Vergiftung zu zerstören.  Da steht der Feind, wo Mephisto sein Gift in die Wunde eines Volkes träufelt,  da steht der Feind, und darüber ist kein Zweifel, dieser Feind steht rechts !
"... Atmosphäre des Mordes, des Zornes, der Vergiftung ..."  -  muss ich die Parallelen zur Gegenwart der dritten deutschen Republik noch eigens herausstreichen ?   Eine Parallele vor allem darin, dass "der Feind" -  ob rechts, links oder sonstwas  -  mit seiner zynischen Gewalttätigkeit gegen gewaltlose Andersdenkende  damals wie heute sich breiter Sympathien und Unterstützung in der Öffentlichkeit, in Medien und Politik sicher sein durfte und darf !

Die Brandanschläge gegen Hedwig von Beverfoerde und Beatrix von Storch  -  bei denen wohl eher zufällig keine Menschen zu Schaden kamen  -, ebenso die Terror-Drohungen gegen Josef Bordat haben mich jedenfalls zunächst einmal sprachlos gemacht.

Inzwischen sind lesenswerte Wortmeldungen erschienen, zu den Vorfällen selbst wie auch zu den Hintergründen, ganz besonders einem unsäglichen "Bühnenstück" in Berlin:
von Vera Lengsfeld auf der Website der  Demo Für Alle  über "helldeutsche Wirklichkeit";  von Gunnar Schupelius in in der BZ  über den "neuen Hass auf konservative Frauen" und von Alexander Kissler im CICERO  über "mentale Frontverläufe".

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