Mittwoch, 23. November 2011

"Wer die Wahrheit sucht, ...



... der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht."
Edith Stein wurde 1891 als jüngstes Kind einer strenggläubigen jüdischen Familie in Breslau geboren. Doch schon als Jugendliche verlor sie ihren Glauben, bevor sie nach dem Abitur das Studium der Philosophie und Germanistik in Breslau aufnahm. Bald wechselte sie nach Göttingen,  später nach Freiburg und wurde Schülerin und Assistentin des bedeutenden Phänomenologen Edmund Husserl.
Stets auf der Suche nach der Wahrheit, fand sie allmählich, angeregt durch Begegnungen und Freundschaften mit Christen, zum Glauben an Jesus Christus. Den letzten Anstoß zur Konversion  gab ihr die Lektüre der Autobiographie der Hl. Teresa von Avila.  Am Neujahrstag 1922 empfing sie in Bad Bergzabern in der Pfalz die Hl.Taufe, später die Firmung durch den Bischof von Speyer. Die nächsten ca. neun Jahre wirkte sie als Lehrerin an der Schule der Dominikanerinnen und am Lehrerinnenseminar in Speyer, wo sie im Kloster St. Magdalena, unweit des Domes, lebte. Daneben hielt sie Vorträge im In- und Ausland.
Die akademische Laufbahn, zu der sie prädestiniert war, blieb ihr versagt; vielleicht hat sie auch nie eine solche angestrebt. Immerhin wurde sie 1931 Dozentin am Deutschen Institut für Wissenschaftliche Pädagogik in Münster. Schließlich, nachdem sie 1933 als Jüdin aus dem Staatsdienst gedrängt worden war, trat sie, einem lange gehegten Wunsch folgend, in den Karmel von Köln-Lindenthal ein.  Nach dem Pogrom 1938 übersiedelte sie, die wußte, was ihr drohte, in den Karmel von Echt in Holland. Infolge der Okkupation der Niederlande durch die Wehrmacht wurde sie durch die Gestapo aus dem Kloster geholt, nach Auschwitz verschleppt und dort  im August 1942 ermordet.
Dies nahm sie bewusst auf sich als Opfergang für ihr jüdisches Volk im Glauben an Christus und die Erlösung durch Sein Kreuz. 1987 wurde Edith Stein von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen; seit 1998 darf die Kirche sie als Heilige verehren.
Dr. Edith Stein, eine starke, selbstbewusste, von Erkenntniswillen beseelte Persönlichkeit, war sicher  eine der gebildetsten und "emanzipiertesten" Frauen ihrer Zeit, als Wissenschaftlerin anerkannt und geachtet.  Dennoch  -  und  obgleich die Bekannten und Freunde, die sie zum Christusglauben führten, allen voran Hedwig Conrad-Martius, die Gastgeberin in Bergzabern und Taufpatin, protestantische Christen waren  -   entschied Edith Stein sich, als es soweit war, ohne Zögern für die (so schrecklich unaufgeklärte, ewiggestrige, mittelalterliche, frauenverachtende und -unterdrückende !)  Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche und für den strengen kontemplativen Orden der Hl. Teresa, deren Namen sie im Karmel annahm: Teresia Benedicta a Cruce, die vom Kreuz Gesegnete.
Warum aber tat sie das?
Diese Frage sollte uns heute, im Zeitalter des "Kirchenvolksbegehrens", eines neuen Schismas, einer neuen deutschen Reformation, einiges zu denken geben.



Kalligraphische Gestaltung von Sr. M. Juliana Acht OP, Kloster St. Magdalena, Speyer



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