Mittwoch, 20. Juni 2012

Schwarz-Rot-Gold

          Hinauf, Patrioten, zum Schloss, zum Schloss,
         hoch flattern die Deutschen Farben ...

Von den napoleonischen Befreiungskriegen über das Hambacher Fest und die Frankfurter Paulskirche bis zur Nationalversammlung von Weimar, also über ein Jahrhundert deutscher Geschichte hin, führte der Weg von Schwarz-Rot-Gold  bis zu seiner Anerkennung als Symbol der deutschen Nation, ihrer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und damit ihrer Grundwerte.
Ein weiteres Jahrhundert später, in der sich zunehmend entpolitisierenden, hedonistischen "Event"- und "Fun"-Gesellschaft von heute, reduziert sich offenbar die öffentlich-kollektive Symbolik der Deutschen Farben  -  wie auch die des Liedes der Deutschen  -   immer mehr auf den im Zwei-Jahres-Rhythmus auftretenden, pseudonationalen Hype namens Fußball-EM und -WM.

Foto:  dpa

Fußballbegeisterung hat ja durchaus  ihre schönen Seiten. 
Hin und wieder ist aber bei der "schönsten Nebensache der Welt" auch kritische Distanzierung, Blickwinkelerweiterung und Besinnung aufs Wesentliche  am Platz.

Übrigens ist das Problem nicht so ganz neu:
Von meinem Erzieher lernte ich, in den Zirkusspielen weder für die Grünen noch für die Blauen, in den Gladiatorengefechten weder für die Rundschilde noch für die Langschilde Partei zu nehmen, wohl aber Anstrengungen zu ertragen, mit wenigem zufrieden zu sein, selbst die Hand ans Werk zu legen, mich nicht in die Angelegenheiten anderer zu mischen und unzugänglich für Angeberei* zu sein.

Marc Aurel,  Selbstbetrachtungen  I 5  (Übers. A. Wittstock)
* Gemeint ist das Denunziantentum. 




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