Samstag, 27. Oktober 2012

In Hoc Signo


Christusmonogramm, Vat. Museen, 4. Jhd.
Ein welthistorisches Ereignis wird sich am morgigen Sonntag, den 28. Oktober, zum 1700. Mal jähren: Der spätere Kaiser Konstantin I. der Große besiegte Anno Domini 312 seinen Rivalen Maxentius in der Schlacht am Ponte Milvio vor den Toren Roms. Nach dem Bericht des Historikers und Bischofs Eusebius von Caesarea hatte er in einer Vision das Christus-Monogramm erblickt und die Worte gehört: "In hoc signo vinces  -  In diesem Zeichen wirst du siegen."  Daraufhin machte er das Monogramm zum Feldzeichen seines Heeres, und die Verheißung erfüllte sich. 
Prof. Dr. Martin Rhonheimer schreibt in einem umfangreichen und gehaltvollen Beitrag in der heutigen Tagespost:
Damit begann für das Christentum und die europäische Zivilisation eine neue Epoche. ... Handelte Konstantin aus politischen oder aus religiösen Gründen?  Die Frage ist müßig:  Für einen Römer waren religiöse immer auch politische Gründe. Konstantin handelte 312 als Heide und als Römer: der Gott der Christen sollte ihm Sieg und dem Reich Einheit und Sicherheit gewähren. Die Schlacht von 312 war im Verständnis Konstantins weder ein "christlicher Krieg" noch ein Kreuzzug, sondern Entscheidungsschlacht im Kampf römischer Potentaten um die Macht und für die Größe Roms.
Im folgenden Jahr 313 brachte das von Konstantin erlassene Toleranz-Edikt von Mailand die Wende in der Geschichte des Christentums: das endgültige Verbot der Christenverfolgungen und die Gleichstellung des Christusglaubens mit der römischen Staatsreligion. Gegen Ende dieses Jahrhunderts, im Jahr 391, machte schließlich Kaiser Theodosius das Christentum zur alleinigen Staatsreligion. 
Konstantin selbst hat sich erst kurz vor seinem Tod an Pfingsten 337 taufen lassen.


Während das Christus-Monogramm aus den ersten beiden griechischen Buchstaben von Christus besteht (XP=chi-rho, oft ergänzt mit dem Alpha und Omega aus Apk 1,8),  enthält das volkstümliche Jesus-Monogramm IHS oder JHS die ersten drei Buchstaben von Jesus: ein lateinisches I bzw. J sowie S mit einem griechischen Eta (H). Weil diese merkwürdige Buchstabenmischung bald nicht mehr verstanden wurde, bezog man das Monogramm auf die Konstantin-Geschichte: In Hoc Signo (vinces).  Die Frömmigkeit des einfachen Volkes las hingegen "Jesus, Heiland, Seligmacher". Und eine sehr schöne Interpretation der Jesuiten, mit Anspielung auf den Ordensnamen Societas Jesu, lautet: Iesum Habemus Socium  -  Wir haben Jesus als Gefährten.



Auch durch das "Jahr des Glaubens" wird uns das stilisierte Jesus-Monogramm begleiten: als Segel des Schiffleins Kirche, gehalten vom Mast des Kreuzes.















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