Mittwoch, 12. November 2014

Das Symbol des Kreuzes




Wie wir den Kreis zum Sinnbild der Vernunft und des Irreseins erklärt haben, so erscheint uns das Kreuz bestens geeignet, zugleich das Mysterium und die geistige Gesundheit zu symbolisieren. Der Buddhismus ist zentripetal, das Christentum hingegen zentrifugal:  es bricht aus.  Denn der Kreis ist seiner Natur nach vollkommen und unendlich, sein Umfang allerdings steht ein für allemal fest:  er kann weder größer noch kleiner werden.  Das Kreuz dagegen mag zwar im Kern einen Konflikt und Widerspruch enthalten;  es kann aber seine vier Arme beliebig ausdehnen, ohne jemals die Form zu verändern.  Weil in seinem Zentrum ein Paradox steht, kann das Kreuz wachsen, ohne sich zu verändern.  Der Kreis kehrt in sich zurück und ist gebunden.  Das Kreuz streckt seine Arme in alle vier Himmelsrichtungen; es ist ein Wegweiser für Menschen, die sich frei bewegen wollen.

 Gilbert Keith Chesterton


in:  Orthodoxie.  Eine Handreichung für die Ungläubigen.  Kißlegg  2011,  S. 63 f.


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