Mittwoch, 3. April 2013

Benedikt über Franziskus


Joseph Ratzinger über die Seligpreisung der Armen in der Bergpredigt (Mt 5,3; Lk 6,20):

... Vielleicht ist es gut, dass wir ... uns noch einmal für einen Augenblick der Gestalt der Glaubensgeschichte zuwenden, in der diese Seligpreisung am dichtesten in menschliche Existenz übersetzt worden ist: Franz von Assisi.  Die Heiligen sind die wahren Ausleger der Heiligen Schrift.  Was ein Wort bedeutet, wird am meisten in jenen Menschen verständlich, die ganz davon ergriffen wurden und es gelebt haben.  ...  Franz von Assisi hat die Verheißung dieses Wortes in letzter Radikalität ergriffen.  ...  Diese äußerste Demut war für ihn vor allem Freiheit des Dienens, Freiheit zur Sendung, letztes Vertrauen zu Gott, der nicht nur für die Blumen des Feldes, sondern gerade für seine Menschenkinder sorgt;  Korrektiv zur Kirche seiner Zeit, die mit dem feudalen System die Freiheit und die Dynamik des missionarischen Unterwegsseins verloren hatte;  innerste Offenheit für Christus, mit dem er in der Verwundung durch die Wundmale ganz gleichgestaltet wurde, so dass nun wirklich nicht mehr er selber sein Selbst lebte, sondern er als der Wiedergeborene ganz von und in Christus existierte.        (Hervorh. von mir. Sev.)
 
 Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth. Erster Teil.  
Freiburg/Br. (3. Aufl.)2007,  S. 108 f


Bild:  El Greco, Die Stigmatisierung des Hl. Franziskus

 

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