Donnerstag, 18. April 2013

Die Freiheit des Sohnes

In den Darstellungen der Gestalt Jesu wird manchmal fast nur das Umstürzlerische, das Vorgehen Jesu gegen falsche Frömmigkeit aufgezeigt.  Jesus erscheint so als Liberaler oder als Revolutionär.  In der Tat hat Jesus in seiner Sendung als Sohn eine neue Phase des Gottesverhältnisses eingeleitet, in der er eine neue Dimension der menschlichen Beziehung zu Gott eröffnet hat.  Aber dies ist nicht ein Angriff auf die Frömmigkeit Israels.  Die Freiheit Jesu ist nicht die Freiheit des Liberalen.  Es ist die Freiheit des Sohnes und so die Freiheit des wahren Frommen.  Als Sohn bringt Jesus eine neue Freiheit, aber es ist nicht die Freiheit des Bindungslosen, sondern die Freiheit dessen, der eins ist mit dem Willen des Vaters und der den Menschen zu der Freiheit des inneren Einsseins mit Gott verhilft.

Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.:  Jesus von Nazareth. Prolog: Die Kindheitsgeschichten.  
Freiburg/Br. 2012,  S.129  (zu Lk 2,41-52)

Kommentare:

  1. Was für ein schöner, treffender Text! Was mit "Freiheit des wahren Frommen" gemeint ist, hätte ich nie verstanden, ohne einen Priester kennengelernt zu haben, bei dem genau das mein Eindruck war: dass bei ihm diese Hingabe an Gott und an die Kirche, also das, was andere vielleicht als "Zwänge" verstehen, bei ihm zu einer größeren inneren Freiheit führt, als sie die meisten, die meinen, ihnen sei alles "erlaubt", je kennenlernen werden. Ich hätte nie gedacht, dass es auch einen frei gewählten Gehorsam gibt ... war das bei Jesus nicht auch so? Ein Priester, bei dem man das spürt, kommt dem Ideal, ein "alter Christus" zu sein, dann doch ziemlich nahe, oder? Ohne ihn kennen gelernt zu haben, hätte ich mit dem Text nicht wirklich was anfangen könnnen... aber es stimmt: dadurch, dass ich weiß, dass ich letztlich nur Gott gehorchen muss, dass kein anderer Mensch Macht über mich gewinnen kann, entsteht eine andere Dimension von Freiheit, die über die heute so beliebten "Freiheiten" weit hinaus geht.

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